Wenn das Kind nachts Fieber hat, greifen die meisten Eltern zum Smartphone. Doch statt Beruhigung finden sie auf Google und in sozialen Medien oft widersprüchliche Informationen, die zusätzliche Sorgen auslösen. Das Berliner Health-Tech-Startup tio health will genau dieses Problem lösen – mit einer KI-gestützten App, die Eltern evidenzbasierte Orientierung bietet, ohne Panik zu erzeugen.
Das Problem: 69 Prozent der Kinderarztbesuche sind medizinisch nicht dringend
Die Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung verdeutlichen das Ausmaß der Verunsicherung: Rund 69 Prozent aller kinderärztlichen Konsultationen sind medizinisch nicht dringend. Gleichzeitig fühlen sich viele Eltern zwischen den Vorsorgeterminen allein gelassen. Die Folge ist ein Teufelskreis aus Unsicherheit, unnötigen Arztbesuchen und einem überlasteten Versorgungssystem.
Johannes Schott und Raphael Heber, die Gründer von tio health, kennen diese Situation aus eigener Erfahrung. Als Väter haben sie selbst erlebt, wie schnell Unsicherheit entsteht, besonders abends, nachts oder zwischen Arztterminen. Die Frage, die sie antrieb: Warum gibt es keine ruhige, verlässliche Orientierung, die Eltern im Alltag unterstützt, ohne Ärztinnen und Ärzte zu ersetzen?
Die Lösung: Ein digitaler Lotse für die ersten Lebensjahre
Die tio-App richtet sich an Eltern von Kindern im Alter von null bis sechs Jahren. Sie funktioniert als digitaler Begleiter, der drei Kernfunktionen vereint: einen KI-gestützten Dialog für akute Fragen, altersgerechte Entwicklungsinformationen und ein strukturiertes HealthLog zur Dokumentation von Beobachtungen und Symptomen.
Der KI-Dialog ordnet Elternfragen ein, ohne Alarmismus zu erzeugen. Ob Fieber, Hautausschlag oder die Frage, ob ein bestimmtes Verhalten normal ist – die App liefert evidenzbasierte Einordnungen auf Basis medizinischer Leitlinien. Dabei stellt tio bewusst keine Diagnosen, sondern bereitet Eltern auf Gespräche mit medizinischem Fachpersonal vor.
Besonders praktisch: Die App erinnert automatisch an anstehende Vorsorgeuntersuchungen wie die U6 und erklärt, was dort untersucht wird. Das HealthLog dokumentiert Erkrankungen, Unverträglichkeiten und Entwicklungsmeilensteine, sodass Eltern beim nächsten Arztbesuch alle relevanten Informationen griffbereit haben.

Das Team: Digital-Health-Expertise von Oviva und Selfapy
Hinter tio steht ein interdisziplinäres Team aus Digital-Health-Experten, Produktdesignern und medizinischer Fachkompetenz. Die Gründer Johannes Schott und Raphael Heber bringen langjährige Erfahrung aus der Entwicklung und Skalierung regulierter Digital-Health-Anwendungen mit. Beide waren zuvor bei etablierten Unternehmen wie Oviva und Selfapy tätig, die digitale Gesundheitsanwendungen erfolgreich im deutschen Markt etabliert haben.
Diese Expertise ist entscheidend, denn der Digital-Health-Bereich unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen. Das Team weiß, wie man medizinische Inhalte fachlich korrekt aufbereitet und gleichzeitig nutzerfreundlich gestaltet.

Finanzierung und Geschäftsmodell: Consumer-first mit Kassenpartnerschaften als Ziel
Tio health befindet sich aktuell in einer frühen Phase und wird bootstrapped sowie durch Förderprogramme finanziert. Das Startup ist Teil des Batch 9 des Reaktor.Berlin Accelerators und sucht derzeit Angel-Investoren für eine Seed-Runde.
Das Geschäftsmodell setzt zunächst auf einen Consumer-first-Ansatz: Eltern können die App direkt nutzen, perspektivisch ergänzt durch ein Premium-Modell. Langfristig strebt tio Partnerschaften im Gesundheitswesen an, etwa mit Krankenkassen oder im Präventionskontext. Die Vision: eine ergänzende digitale Ebene der pädiatrischen Versorgung, die eng mit Kinderärzten, Krankenkassen und Präventionsprogrammen zusammenarbeitet.
Ausblick: Mehr als eine App
Mit dem Launch im Apple App Store und Google Play Store am 27. Januar 2026 markiert tio health den Startpunkt einer ambitionierten Vision. Das Startup will sich als vertrauenswürdige Instanz zwischen den Vorsorgeterminen etablieren – ein digitaler Begleiter, der Eltern Sicherheit gibt, ohne das Gesundheitssystem zusätzlich zu belasten.
Wie Mitgründer Raphael Heber es formuliert: „Eltern brauchen keine weiteren Warnungen – sondern Orientierung und Einordnung. Genau das wollten wir mit tio schaffen – ruhig, verständlich und ohne Panikmache.“
Steckbrief tio health
Gründer: Johannes Schott, Raphael Heber
Gründungsjahr: 2025
Standort: Berlin
Branche: Digital Health, FamilyTech
Zielgruppe: Eltern von Kindern 0–6 Jahre
Finanzierung: Bootstrapped, Reaktor.Berlin Accelerator (Batch 9), Seed-Runde in Vorbereitung
App: tio: Eltern App (iOS & Android)
Website: www.tiohealth.de

