Es ist oft das letzte Detail am Haus, aber eines, das den Gesamteindruck stört: Der verzinkte Gitterrost vor dem Kellerfenster. Was für viele nur ein notwendiges Übel war, wurde für Norbert und Elias Lang zur Geschäftsgrundlage. Mit „Dein Lichtschacht“ verwandelten Vater und Sohn ein Garagen-Projekt in ein rasant wachsendes E-Commerce-Unternehmen. Ein Portrait über Perfektionismus, Bootstrapping und generationenübergreifende Synergien.
Die Gründungsgeschichte von „Dein Lichtschacht“ beginnt nicht mit einem Businessplan, sondern mit dem ästhetischen Störgefühl eines Hausbesitzers. Als Norbert Lang vor über zwölf Jahren sein Eigenheim bezog, glänzte alles in Edelstahl – bis auf den Kellerschacht. Der Maschinenbautechniker konstruierte kurzerhand eine eigene Lösung. Was folgte, war der Klassiker: Nachbarn wurden aufmerksam, erste Verkäufe liefen über eBay, und das Projekt plätscherte als Nebenverdienst dahin.
Der Turbo wurde erst Ende 2022 gezündet. Elias Lang, Norberts Sohn, erkannte das Potenzial, die Produkte professionell über einen eigenen Online-Shop zu vertreiben. Trotz anfänglicher Skepsis im Umfeld („Gibt es dafür überhaupt einen Markt?“) explodierten die Zahlen. Das Jahr 2023 übertraf alle Erwartungen, sodass Norbert seinen Hauptjob kündigte. Heute beliefert das Duo aus Sandhausen nicht nur Privatkunden, sondern auch Architekten und Bauunternehmen in ganz Deutschland.
Interview: „Wir wussten, dass unser Produkt eine Marktlücke schließt“

Wir sprachen mit den Gründern Norbert und Elias Lang über ihren Weg vom Nebenprojekt zum Vollzeit-Business, die Finanzierung aus eigenen Mitteln und wie sie sich gegen Nachahmer schützen.
StartupMag: Norbert, wie viele Prototypen hattest du, bevor die erste Abdeckung wirklich funktioniert hat?
Norbert Lang: Als wir in unser neues Haus (vor über 12 Jahren) eingezogen sind, war am Hauseingang alles aus Edelstahl. Edelstahl-Türklinke, Edelstahl-Briefkasten, Edelstahl-Hausnummer. Nur der Kellerschacht unter dem Küchenfenster am Eingang war mit einem verzinkten Stahl-Gitterrost verdeckt. Dies hat nicht zu meinem Anspruch an Design für mein Eigenheim gepasst. Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds als Maschinenbautechniker habe ich dann eine eigene Abdeckung konstruiert und diese aus Edelstahl fertigen lassen. Nach 3-4 Fehlproduktionen und Prototypen hatte ich die erste „Abdeckung“, unsere heutige „Lichtschachtauflage“, entwickelt.
StartupMag: Wie hoch war das Startkapital, und wann hattet ihr den Break-Even?
Antwort: Ein klassisches Startkapital hatten wir nicht, da wir zu Beginn in der Garage (12qm) klein gestartet haben und danach stets die Gewinne reinvestiert haben, um weiter zu wachsen. Danach sind wir ein Jahr später in unsere erste Lagerhalle (100qm) umgezogen und nochmal ein Jahr später haben wir das Ganze mit einem Büro auf ca. 180qm Gewerbefläche erweitert. Bis heute reinvestieren wir den Großteil in Produktentwicklung, Online-Shop-Erlebnis, etc.
StartupMag: Was war euer erster „Fremder“ als Kunde – also jemand außerhalb der Nachbarschaft?
Antwort: Die erste Bestellung von einem „Fremden“ war tatsächlich noch während der Zeit als DeinLichtschacht ein Nebenprojekt war und über Ebay gelaufen ist. Dies war aus dem Bundesland Bayern, das bis heute noch eines der verkaufsstärksten Bundesländer ist.
StartupMag: Wer ist euer typischer Kunde? Eher der Häuslebauer mit Perfektionismus-Gen oder der Architekt?
Antwort: Wir verkaufen an beide Personengruppen. Den Großteil unseres Geschäfts macht der Verkauf unserer Lichtschachtabdeckungen an Privatpersonen / Privathaushalte aus. Allerdings bestellen auch viele Garten- & Landschaftsgärtner, Architekten, Bauunternehmen, Immobilienverwaltungen, Terrassenbauer, Montagebetriebe, etc. bei uns. Diese nutzen unsere Produkte dann für ihre eigenen Projekte, um für ihre Kunden das bestmögliche Endergebnis zu liefern. Der Anteil ist ca. 1/5 Geschäftskunden.
StartupMag: Gibt es Nachahmer? Wie schützt ihr euch – oder ist der Markt groß genug für alle?
Antwort: Auf unsere Muster / Design haben wir ein Gebrauchsmuster angemeldet. Wir stehen nicht 100% im direkten Wettbewerb mit anderen Anbietern, die auch „Abdeckungen für den Lichtschacht“ anbieten, da unsere Produkte sehr hochwertig sind und neben der Funktionalität auch für die Designkomponente stehen.
StartupMag: Was habt ihr über den jeweils anderen gelernt, seit ihr zusammenarbeitet?
Norbert Lang: Ich war überrascht, wie schnell und vor allem datengetrieben Elias Entscheidungen trifft – und wie konsequent er Dinge testet und wieder verwirft, wenn sie nicht funktionieren. Im Marketing hat er echt immer außergewöhnliche aber vor allem gute Ideen. Elias Lang: Ich habe gelernt, wie kompromisslos mein Vater bei Qualität ist. Manchmal wollte ich schneller vorangehen, aber im Nachhinein war es fast immer richtig, einen Schritt mehr Zeit in das beste Produkt und die beste Qualität für unsere Kunden zu investieren.
StartupMag: Bleibt ihr bei Lichtschächten – oder seht ihr euch mittelfristig breiter aufgestellt?
Antwort: Es erreichen uns immer wieder auch Anfragen zu anderen Projekten aus Edelstahl rund ums Haus. Hier haben wir auch schon einiges umgesetzt wie Fenstergeländer, Fassadenabdeckungen, Vogelhäuschen, Briefkasten oder auch Wärmepumpenverkleidungen. Aktuell liegt unser voller Fokus auf Lichtschachtabdeckungen, aber eventuell kommt hier in Zukunft mal noch etwas Neues.
StartupMag: Elias, könntest du dir vorstellen, das Unternehmen irgendwann alleine weiterzuführen?
Elias Lang: Auf jeden Fall. Ich teile die Vision zu 100% und deshalb haben wir das Projekt auch zusammen Ende 2022 so richtig mit dem Aufbau des eigenen Online-Shops gestartet. Die Vater-und-Sohn-Kombination ist aber definitiv ein Vorteil gegenüber anderen Marken, da wir viele klassische Gründerprobleme nicht haben und wir auch in den Themengebieten sehr verschieden sind und uns daher sehr gut ergänzen.
StartupMag: Danke euch für das Gespräch.

