Wer bist du und was ist deine Rolle bei Rouge?
Ich bin Tina Frey, Gründerin sowie Geschäftsführerin von Rouge und seit knapp einem Jahr auch Mutter. Mit Rouge sind wir vor drei Jahren in der Schweiz gestartet und neu sind wir jetzt auch in Deutschland. Im Alltag bin ich oft noch «Mädchen für alles», aber ich versuche, meinen Fokus auf Kooperationen und Partnerschaften zu legen. Im Tagesgeschäft werde ich von zwei engagierten Frauen und meinem Partner unterstützt.
Pitchtime! Beschreib doch die Geschäftsidee hinter Rouge in wenigen Sätzen. Welches Problem löst ihr?
Rouge ist das erste coole Periodengetränk der Welt! Unsere Idee basiert auf drei Säulen: Selbstfürsorge, gesellschaftliches Engagement und die gezielte Unterstützung von Frauen.
Der Rouge-Drink ist für viele Frauen ein Ritual während der Menstruation – ein bewusster Moment der Achtsamkeit, der den Körper mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Gleichzeitig wollen wir dazu beitragen, Menstruation zu enttabuisieren und als etwas Alltägliches sichtbar zu machen. Ein Teil unserer Einnahmen fließt direkt in soziale Projekte, aktuell in Europa und Afrika.
Wie kam es zu der Idee, die hinter Rouge steckt?
Der Gedanke entstand eher zufällig. Ich habe wieder einmal bemerkt, wie meine Freundinnen und ich über unsere Menstruation sprechen – oder oft eben nicht – und wie sehr unser Verhalten davon geprägt ist. Gleichzeitig dachte ich plötzlich: Für alles auf der Welt gibt es ein Getränk. Nur für die Menstruation nicht. Kann das sein?
Dabei sprechen wir nicht von einer kleinen Zielgruppe, sondern von der Hälfte der Menschheit! Durch meinen Hintergrund in der Kommunikation weiss ich, wie stark Produkte Emotionen und Werte transportieren können. Genau diese Werte rund um den Zyklus müssten viel positiver sein. Als mir klar wurde, dass es so ein Produkt noch nicht gibt, war ich nicht mehr zu stoppen…
Was waren bisher eure grössten Herausforderungen und wie finanziert ihr euch?
Ich habe bei null gestartet und musste mir sehr viel Wissen selbst aneignen. Gleichzeitig hatte ich das Glück, früh auf kompetente und motivierte Menschen zu treffen, die von der Idee ebenso begeistert waren wie ich.
Die Herausforderung war, in extrem vielen Bereichen gleichzeitig aktiv zu sein: Produktentwicklung, Organisation von Tastings, Austausch mit Ernährungsberaterinnen, Zyklusexpertinnen und Gynäkologinnen, Branding, Software, Packaging, Social Media, Werbung, Lebensmittelrecht, Finanzen usw. Finanziert habe ich die Gründung klassisch über mein Erspartes und mein Partner hat ebenfalls Startkapital bereitgestellt. Aber als ich die erste Bestellung beim Produzenten tätigte – Mindestmenge 100’000 Stück – war ich schon etwas nervös…
Der Start in Deutschland war dann nochmals eine neue Erfahrung. Andere Gesetze, hohe Mehrwertsteuersätze… ganz ehrlich: Ich beneide Deutsche Gründer nicht um den bürokratischen Alltag. Zum Glück habe ich mit Susi Berger (auf dem Foto links) eine Geschäftspartnerin für Deutschland gefunden, die all diese Herausforderungen annimmt.
Wen wollt ihr mit Rouge erreichen?
Frauen, die ihren Zyklus achtsam wahrnehmen möchten und Menstruation als etwas Normales sehen – und den Zyklus sogar als etwas Wunderbares! Frauen, die die Werte von Rouge teilen und etwas bewegen wollen.
Welches Alleinstellungsmerkmal habt ihr – wie hebt ihr euch von der Konkurrenz ab?
Wir sind nicht einfach ein Nahrungsergänzungsmittel-Anbieter. Rouge ist ein Unternehmen mit Haltung und Herzblut. Wir setzen uns aktiv dafür ein, das Thema Zyklus positiv zu besetzen, haben ein literarisches Buch zur Menstruation veröffentlicht und unterstützen konkrete Projekte zur Stärkung von Frauen. Ich treffe regelmässig Frauen, die mir ihre Initiativen vorstellen, und überlege gemeinsam mit ihnen, wie Rouge helfen kann. Mir ist wichtig, auch die Solidarität unter Frauen zu fördern – nicht nur ein Produkt zu verkaufen.
Was hättet ihr rückblickend in der Startphase anders gemacht?
Ich hätte auf gewisse Werbemassnahmen komplett verzichtet, weil sie nicht funktionieren, und stattdessen früher konsequent in unser Ambassadorinnen-Programm investiert. Frauen, die anderen Frauen von Rouge erzählen, passen viel besser zu uns und zu unserer Vision.
Mit der Erfahrung eurer Gründung: Welchen Tipp gibst du GründerInnen mit auf den Weg?
Achte sehr bewusst auf die Menschen, mit denen du arbeitest: Mitstreiterinnen, Partner, Lieferanten. Auf das Bauchgefühl zu hören ist enorm wichtig. Wer setzt sich wirklich für deine Vision ein?
Ich glaube zudem stark an Kooperationen, besonders unter Gründerinnen und Brands. Wenn es ein echtes Geben und Nehmen ist, profitieren alle. Und nicht zuletzt auch die Kundinnen.
Wo würdest du arbeiten, wenn es dich nicht in die Startup-Welt verschlagen hätte?
Ich bin ja neben Rouge und dem Mama-Sein auch noch zu einem kleinen Prozentsatz in meinem vorherigen Job im Marketing- und Kommunikationsbereich angestellt – und das wäre ich vermutlich einfach noch in einem höheren Pensum. Aber das, was ich in dieser kurzen Zeit mit Rouge gelernt und erlebt habe, möchte ich nicht mehr hergeben. Auch wenn der Weg als Gründerin nicht immer einfach war und ist.

