Neues Warnsystem für Flughäfen erkennt GPS-Störungen, bevor Piloten landen

GNSS Jamming und Spoofing werden zunehmend zum Sicherheitsrisiko für den Luftverkehr. Das Karlsruher Sicherheitsunternehmen hensec hat auf der AERO 2026 ein System vorgestellt, das Piloten bereits vor der Landung vor gestörten Satellitennavigationssignalen am Zielflughafen warnen soll.

GNSS-Störungen entwickeln sich zu einem wachsenden Problem für die zivile Luftfahrt. Wenn Satellitennavigationssignale gezielt gestört oder manipuliert werden, können GPS-basierte Systeme im Cockpit unzuverlässige oder falsche Positionsdaten liefern. Für Piloten entsteht dadurch eine zusätzliche Belastung, insbesondere wenn die Störung erst während des Anflugs erkannt wird.

Das Sicherheitsunternehmen hensec hat dafür nun ein neues Frühwarnsystem vorgestellt. Unter dem Namen AGNOST-A soll die Lösung Flughäfen und Flugplätze in die Lage versetzen, Störungen von GNSS-Signalen am Zielort frühzeitig zu erkennen und entsprechende Warnungen an Flugzeuge in der Umgebung auszusenden. Präsentiert wurde das System auf der AERO 2026 in Friedrichshafen.

Warnung vor der Landung

Der zentrale Ansatz von AGNOST-A besteht darin, Piloten nicht erst bei Erreichen des betroffenen Gebiets mit einer GNSS-Störung zu konfrontieren. Stattdessen sollen die Störungen am Flughafen oder Flugplatz erfasst, in Echtzeit ausgewertet und bei Überschreiten eines kritischen Schwellenwerts automatisch an den Flugverkehr gemeldet werden.

Dazu erstellt das System nach Angaben von hensec eine entsprechende Warnmeldung für den Flugverkehr, ein sogenanntes NOTAM. Diese Information wird anschließend über einen speziellen Datenfunkkanal, UAT978, im betroffenen Gebiet ausgesendet. Flugzeuge, die mit entsprechender Empfangstechnik ausgestattet sind, können die Warnung direkt im Cockpit anzeigen.

Für Piloten bedeutet das: Sie erhalten bereits während des Flugs eine Einschätzung, ob die GNSS-Navigation am Zielflughafen zuverlässig nutzbar ist oder ob sie sich auf alternative Verfahren einstellen müssen.

Reaktion auf Jamming und Spoofing

Bei GNSS Jamming werden Satellitennavigationssignale gestört, sodass Empfänger keine zuverlässigen Positionsdaten mehr erhalten. Beim Spoofing werden Signale manipuliert, um einem Empfänger eine falsche Position vorzutäuschen. Beide Angriffsformen gelten inzwischen nicht mehr nur als militärisches oder geopolitisches Randthema, sondern betreffen zunehmend auch zivile Infrastrukturen.

Gerade Flughäfen und Flugplätze sind auf verlässliche Navigations- und Kommunikationssysteme angewiesen. Wird die Verfügbarkeit oder Genauigkeit von GNSS-Signalen beeinträchtigt, kann das Auswirkungen auf Anflug, Navigation und operative Abläufe haben.

AGNOST-A soll hier eine zusätzliche Sicherheitsebene schaffen: Das System ersetzt keine etablierten Navigationsverfahren, kann aber dazu beitragen, die Lageeinschätzung für Piloten und Betreiber zu verbessern.

Installation im Outdoor-Schaltschrank

Nach Angaben des Unternehmens ist die komplette Elektronik des Systems in einem wetterfesten Outdoor-Schaltschrank untergebracht. Dadurch soll AGNOST-A vergleichsweise einfach an Flughäfen oder Flugplätzen installiert werden können. hensec bezeichnet die Lösung als Weltneuheit.

Das Unternehmen mit Standorten in Karlsruhe und Tegernsee ist auf Sicherheitslösungen für Industrie, Wirtschaft und Behörden spezialisiert. Zum Leistungsspektrum zählen unter anderem physische Sicherheit, Cybersecurity, Abhörschutz, Drohnenabwehr, OT-Security, Perimeterschutz, Informationssicherheit und Schutz kritischer Infrastrukturen.

Sicherheitslösungen für hybride Bedrohungslagen

Mit AGNOST-A adressiert hensec einen Bereich, der gut in die aktuelle Debatte um hybride Bedrohungen passt. Moderne Sicherheitsrisiken entstehen häufig nicht mehr nur an einer einzelnen Stelle, sondern an der Schnittstelle zwischen physischer Infrastruktur, digitalen Systemen und operativen Abläufen.

Für Flughäfen könnte ein Frühwarnsystem gegen GNSS-Störungen deshalb ein Baustein sein, um die Resilienz gegenüber gezielten Angriffen oder Störungen zu erhöhen. Entscheidend dürfte dabei sein, wie schnell sich entsprechende Warninformationen in bestehende Abläufe und Cockpit-Systeme integrieren lassen.

Für die Luftfahrtbranche bleibt das Thema hochrelevant: Je stärker Navigations- und Assistenzsysteme auf satellitengestützte Daten angewiesen sind, desto wichtiger werden Verfahren, die Manipulationen oder Störungen frühzeitig erkennen und transparent machen.

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