Katia Helf und Philip von Have, die Gründer:innen von Blue Farm

„Wollen den pflanzlichen Milchmarkt auf den Kopf stellen“

Was haben Hafer, Mandeln, Soja, Reis, Cashews und Erbsen gemeinsam? Sie alle dienen als Basis für Milchersatzprodukte, von denen wir in Supermärkten und Drogerien immer mehr finden. Nach einer Untersuchung der niederländischen ING Groep haben Haferdrinks und Co. inzwischen einen Marktanteil von 10 % in der EU und Großbritannien und erwirtschaften rund drei Milliarden Euro. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Start-ups in diesem Bereich tummeln und versuchen, coole Kuh-Alternativen anzubieten. Wir haben die Gründer:innen von Blue Farm interviewt, die in Berlin eine Hafermischung zum Selbstmixen entwickelt haben. Im Gespräch verraten sie uns, was sie anders machen als andere Anbieter, woher ihre Produkte kommen und welche Zukunftsvision sie für ihr Unternehmen haben.

Eine Hafermischung und die Trinkflasche von Blue Farm
Schlicht, funktional, blau – die Hafermischung zum Selbstmischen von Blue Farm sowie eine Trinkflasche. (Quelle: Unternehmen)

Hallo, ihr Beiden! Stellt euch doch bitte einmal kurz für unsere Leser:innen vor.

Hey, wir sind die Gründer Katia & Phil von Blue Farm – einem Berliner Start-up mit einer Mission: Wir wollen den pflanzlichen Milchmarkt auf den Kopf stellen, ganz nach unserem Credo “Drink good. Do good.”

Dazu haben wir eine kleine Innovation entwickelt: Mit unserer Oat Base, einem löslichen fermentierten Haferpulver ohne Zusatzstoffe, kannst du dir deine Hafermilch frisch in nur 10 Sekunden selbst mixen. So leistest du schon mit einem Kaffee am Morgen deinen Beitrag für unsere Umwelt, denn du reduzierst deinen Verpackungsmüll um bis zu 90 %, deine CO2 Emissionen um bis zu 70 % und verursachst weniger Lebensmittelabfälle im Vergleich zu der abgepackten Milch aus dem Supermarkt. Dazu schmeckt es wirklich köstlich und kommt sogar per Post in Deinen Briefkasten.

Der Markt an Milchalternativen boomt, selbst bei Discountern gibt es mittlerweile zahlreiche Ersatzprodukte. Warum habt ihr euch trotzdem getraut, ein eigenes Unternehmen in diesem Bereich zu starten?

Genau deswegen – weil die pflanzliche Milch im Massenmarkt angekommen ist. Laut ProVeg verwendet jeder zweite amerikanische und europäische Verbraucher Pflanzenmilch allein oder zusätzlich zu Kuhmilch. Der gesellschaftliche Wandel hin zu pflanzlicher Ernährung eröffnet uns die Chance, ganze Produktkategorien neu zu denken und somit Produktion, Konsum und Distribution zum Besseren zu verändern. Das bedeutet auch, dass pflanzliche Milch – anders als Kuhmilch – nicht im Milchkarton verkauft werden muss.

Katia Helf und Philip von Have, die Gründer:innen von Blue Farm
Philip von Have und Katia Helf, die Gründer:innen von Blue Farm (Foto: Unternehmen)

Wie würdet ihr eure Zielgruppe beschreiben? Wollt ihr die Menschen erreichen, die ohnehin schon zu Milchersatzprodukten greifen oder wollt ihr auch bekennende Milchfans bekehren?

Jeder kann ein Blue Farmer werden: Wir sprechen jeden an, der Kuhmilch und/oder pflanzliche Milch trinkt und auf der Suche nach einer gesunden, nachhaltigen Alternative ist. Unsere Oat Base überzeugt nicht nur durch ihren guten Geschmack, sondern auch durch wesentlich weniger Zucker und keine Zusatzstoffe – und sie lässt sich dazu noch gut aufschäumen und ist glutenfrei.

Welchen Einfluss hat die Corona-Pandemie auf Blue Farm?

Unsere Produktentwicklung im letzten Jahr war aufgrund von Covid stark verzögert. Aktuell sind wir jedoch nicht so stark betroffen, weil wir ein Lebensmittel online verkaufen. Da unser Produkt aber offline durch den direkten Genuss am schönsten erlebbar ist, freuen wir uns jetzt schon darauf, hoffentlich bald ein paar Events ausrichten zu können.

Ihr macht aktuell alles von Berlin aus, arbeitet ihr auch mit anderen Start-ups zusammen? Hat Berlin sonst irgendwelche Vorteile für euch?

Wir sind ständig im regen Austausch mit vielen verschieden Start-ups, insbesondere aus dem nachhaltigen Konsumbereich. An ersten Brand-Kooperationen arbeiten wir auch schon, wollen da aber noch nicht zu viel verraten.

Grundsätzlich eignet sich Berlin als Standort sehr gut für uns, da hier sehr viele junge Leute leben mit einem hohen Interesse an einem nachhaltigen Lifestyle. Des Weiteren ist natürlich der Trend zur veganen Ernährung in Berlin längst angekommen: Es gibt kaum ein Café, das nicht drei bis vier verschiedene Pflanzenmilchsorten anbietet.

Habt ihr schon Investor:innen an Bord? Oder wie finanziert ihr euch aktuell?

Ja, wir haben einen Venture Capital Fund aus den USA an Bord sowie einige Szene Angels aus Berlin und den Niederlanden.

Die Oat Base von Blue Farm wird mit Wasser gemischt, geschüttelt und anschließend getrunken
In drei Schritten zum selbstgemachten Haferdrink – so einfach soll das laut Blue Farm funktionieren (Bild: Unternehmen)

Auf eurer Website schreibt ihr, dass ihr eure Zutaten aus Europa bezieht. Woher kommen das Hafer und Salz für eure Oat Base konkret?

Wir arbeiten gerade daran, dass der Hafer für unsere nächste Produktion bereits aus der Umgebung von Berlin, also Brandenburg oder Mecklenburg oder zumindest Norddeutschland kommt. Das Salz ebenso. Für unsere erste Produktion waren wir noch auf einen Händler angewiesen, der Hafer aus verschiedenen Regionen innerhalb Europas gesourced hat. Das Salz kommt bereits aus Deutschland. Für die Zukunft sind wir nun dabei, engere Beziehungen zu Landwirten und Rohstofflieferanten aufzubauen, um noch mehr Kontrolle über unsere Rohstoffe zu haben.

Euer Pulver zum Selbstrühren kostet 8,79 Euro für rund 4 Liter, also knapp 2,20 Euro pro Liter. Damit seid ihr im Vergleich mit anderen Haferdrinks eher teuer. Wie kommt der Preis zustande?

Zunächst einmal kaufen wir hochwertigeren Hafer aus Europa (künftig auch aus Deutschland und Bio) und produzieren in Deutschland. Wir haben aufgrund unserer noch recht kleinen Produktionsmengen keine verrückten Margen auf dem Produkt. In den Preis fließen mehrere Produktionsschritte mit ein: von der Haferernte über die Mühle, den enzymatischen Prozess und die Trocknung bis hin zum Abpacken und z.T. dem Versand. Dazu kommen dann die weiteren Betriebs- und Personalkosten. Zudem war uns bei der Preisgestaltung wichtig zu kommunizieren, dass dies ein hochwertiges Konzept ist und keine Dumping-Ware. Wir sehen uns qualitativ auf einem Niveau mit anderen Marken in dem Preissegment.

Bei der Haferverarbeitung kann es zur Vermischung mit glutenhaltigen Getreiden kommen – ein großes Problem für Menschen, die unter Zöliakie leiden. Wie stellt ihr sicher, dass eure Oat Base garantiert glutenfrei ist?

Die Landwirte, mit denen wir gerade unsere Zusammenarbeit aufbauen, achten sehr stark darauf, dass es zu keiner Kreuzkontamination mit glutenhaltigen Getreiden kommt. Das fängt beim getrennten Anbau an und geht weiter bei der Ernte mit Mähdreschern, die ausschließlich für glutenfree Rohstoffe genutzt werden. Zuletzt wird die Ware sorgsam getrennt gelagert. Das Produkt ist heute schon glutenfrei.

Wo seht ihr Blue Farm im Jahr 2026?

Als erste Direct-To-Consumer Marke für Milchalternativen wollen wir den Milchmann ins digitale Zeitalter holen und Vorreiter in der Entwicklung und Distribution neuer pflanzlicher Produktkategorien sein.

Wir sehen sehr viel Potenzial für Blue Farm, neben der Hafermilch weitere Milchalternativen bis hin zu neuen Produkten, die zu einer gesunden und bewussten Ernährung beitragen, zu entwickeln – immer mit dem Anspruch, den Status Quo herauszufordern.

Für die Zukunft wünschen wir uns, dass unsere Produkte in die tägliche Routine möglichst vieler Menschen integriert sind – und das nicht nur in Deutschland.

Mehr Infos zum Unternehmen findet ihr auf der Website von Blue Farm.

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