Balu: Wie zwei Jugendfreunde die Tiervermittlung digitalisieren wollen

Francesca Rivolta und Felix Moll von der Wettern kennen sich seit ihrer Kindheit. Heute bauen sie gemeinsam Balu auf, eine digitale Vermittlungsplattform für Tierheimtiere. Die Idee entstand aus einer Beobachtung, die beide nach dem Studium in ihrem eigenen Umfeld machten.

Viele Menschen, die sich ein Haustier anschaffen wollten, landeten bei ihrer Suche fast automatisch bei einem Züchter. Nicht unbedingt, weil sie sich bewusst gegen ein Tier aus dem Tierheim entschieden hatten. Der Weg dorthin war häufig schlicht einfacher.

Für Francesca Rivolta war das Thema Tierschutz schon lange vorher präsent. Sie arbeitete über mehrere Jahre ehrenamtlich in italienischen Tierheimen und beschäftigte sich dort mit der Vermittlung und Adoption von Tieren. Beruflich schlug sie später zunächst einen anderen Weg ein und arbeitete im Finance-Bereich.

Felix Moll von der Wettern brachte dagegen Erfahrungen aus der Heimtierbranche mit. Er war unter anderem bei Mars Petcare tätig. Als beide nach dem Studium ins Berufsleben starteten, entstand aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen nach und nach die Idee für Balu.

Viele Tierheime, viele einzelne Systeme

Das Problem lag aus Sicht der Gründer nicht an fehlendem Interesse an Tierheimtieren, sondern auch an den Strukturen der Vermittlung. Manche Tierheime verfügten über keine eigene Website, bei anderen waren Tierprofile nicht immer aktuell. Wer ein Tier suchte, musste sich durch zahlreiche einzelne Angebote klicken. Teilweise waren Tiere noch online zu finden, obwohl sie bereits vermittelt worden waren.

Auf der anderen Seite stehen die Tierheime selbst. Viele Vereine arbeiten mit begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen. Gleichzeitig müssen sie Anfragen bearbeiten, Tierprofile pflegen und Interessenten auswählen. Dabei erreichen sie immer wieder unvollständige oder unpassende Anfragen.

2024 gründeten Rivolta und Moll von der Wettern deshalb Balu.

Die Plattform soll Tierheime und Menschen zusammenbringen, die ein Haustier adoptieren möchten. Nach Angaben des Unternehmens arbeiten inzwischen mehr als 350 Tierheime und Tierschutzvereine mit Balu. Zudem ist Balu exklusiver digitaler Vermittlungspartner des Deutschen Tierschutzbundes.

Die Gründer wollen dabei nicht lediglich eine weitere Seite mit Tieranzeigen aufbauen. Ihr Ansatz ist, auch die Prozesse hinter der Vermittlung zu digitalisieren.

Software für die Tierheime

Tierheime können über Balu Tierprofile, Anfragen und weitere Aktivitäten zentral verwalten. Die Tiere werden gleichzeitig auf der Plattform sichtbar und erreichen damit auch Menschen, die nicht gezielt die Website eines einzelnen Tierheims besuchen.

Eine API soll verhindern, dass Tierheime dieselben Daten mehrfach pflegen müssen. Tierprofile können zwischen der Website eines Vereins und Balu synchronisiert werden. Änderungen an einem Profil müssen dadurch nicht auf mehreren Plattformen einzeln vorgenommen werden.

Auch künstliche Intelligenz soll künftig stärker eingesetzt werden, um Abläufe rund um die Vermittlung zu automatisieren und den Verwaltungsaufwand zu reduzieren.

Die Entscheidung darüber, wer ein Tier bekommt, soll dabei ausdrücklich nicht automatisiert werden. Interessenten lernen die Tiere weiterhin persönlich kennen. Die endgültige Entscheidung bleibt beim jeweiligen Tierheim.

Kostenlos für Tierheime und Adoptierende

Balu wurde zunächst mit dem eigenen Ersparten der Gründer aufgebaut. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben bewusst mit einem kleinen Team. Neben Rivolta und Moll von der Wettern gehört Product Developer Dilshod Turobov zum Kernteam.

Für Tierheime und Menschen, die ein Tier adoptieren möchten, ist die Nutzung kostenlos. Auch bei Spenden erhebt Balu nach eigenen Angaben keine Plattformgebühr.

Nutzer können über die Plattform Fördermitgliedschaften für einzelne Vereine abschließen oder im Rahmen einer Adoptionsanfrage direkt an das jeweilige Tierheim spenden.

Finanziert wird das Unternehmen stattdessen über ausgewählte Werbepartnerschaften und Kooperationen mit Unternehmen aus der Heimtierbranche.

balu: 4 Frauen stehen um einen Katzenbaum herum und lächeln in die Kamera. Auf dem Katzenbaum liegt eine weiß-graue Katze

Von der Vermittlungsplattform zur Infrastruktur

Der nächste Entwicklungsschritt soll über die reine Vermittlung hinausgehen. Das Team will Balu stärker als technische Infrastruktur für Tierheime positionieren. Dazu sollen weitere Automatisierungen, KI-Funktionen und vereinfachte Prozesse kommen.

Hinter der Idee steht letztlich eine einfache Beobachtung der Gründer: Wer heute ein Haustier sucht, soll die Adoption eines Tierheimtiers nicht deshalb verwerfen, weil die Suche komplizierter ist als der Weg zu einem Züchter.

Balu versucht deshalb nicht, das persönliche Kennenlernen zwischen Mensch und Tier zu ersetzen. Digitalisiert werden soll vor allem das, was davor und daneben passiert.

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