Vom Hauptschulabschluss zum Gründer eines zertifizierten Bildungsträgers: Maximilian Ossot hat einen ungewöhnlichen beruflichen Weg hinter sich. Mit der Firmenkompass GmbH unterstützt er heute Menschen bei der Gründung und beruflichen Neuorientierung. Im Interview spricht er über praxisnahe Coachings, die Abhängigkeit von Förderbedingungen und darüber, warum ein guter Businessplan allein noch kein erfolgreiches Unternehmen macht.
Wer bist du und welche Rolle hast du im Unternehmen?
Mein Name ist Maximilian Ossot, ich bin Co-Founder und Mehrheitsgesellschafter der Firmenkompass GmbH in Frankfurt am Main. Mein beruflicher Weg war nicht unbedingt klassisch. Mit einem Hauptschulabschluss bin ich ins Berufsleben gestartet und habe zunächst in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet – vom Garten- und Landschaftsbau über Kfz und Elektronik bis zum Handwerk. Schließlich habe ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker an einem Forschungsinstitut in Darmstadt absolviert. Später habe ich mich über einen Bildungsgutschein zum Immobilienkaufmann umschulen lassen und anschließend unter anderem in der Immobilienwirtschaft, im FinTech, im Vertrieb und bei einem Bildungsträger gearbeitet.
Heute beschäftige ich mich bei Firmenkompass vor allem mit der Kundengewinnung und Erstberatung, der strategischen Weiterentwicklung des Unternehmens sowie mit unseren Strukturen und Prozessen. Dazu gehören auch die Kommunikation mit Agenturen für Arbeit und Jobcentern und die Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Firmenkompass habe ich allerdings nicht alleine aufgebaut. Meine Geschäftspartnerin Eileen Tambor ist von Anfang an dabei. Sie verantwortet insbesondere unsere operativen Abläufe, die Einsatzplanung und Koordination sowie große Teile des digitalen Bereichs und Marketings und führt selbst Coachings durch. Wir haben unterschiedliche Stärken und ergänzen uns deshalb sehr gut.
Pitchtime: Beschreibe euer Unternehmen in wenigen Sätzen.
Firmenkompass ist ein AZAV-zertifizierter Bildungsträger aus Frankfurt am Main mit Schwerpunkt auf Gründung und beruflicher Neuorientierung. Wir begleiten Menschen im individuellen 1:1-Coaching von der ersten Prüfung einer Geschäftsidee über die Business- und Finanzplanung bis hin zur konkreten Umsetzung. Je nach Vorhaben geht es dabei auch um Positionierung, Marketing, Vertrieb, Kundengewinnung, Websites, E-Commerce, Digitalisierung, Automatisierung und den Einsatz von KI. Unser Grundgedanke ist dabei relativ einfach: Ein guter Businessplan ist wichtig. Selbstständig bleibt man aber nur mit einem funktionierenden Geschäftsmodell und zahlenden Kunden.
Wie kam es zur Idee für Firmenkompass?
Ich war zunächst selbst Teilnehmer eines AVGS-Gründungscoachings. Damals wollte ich eine Marketingagentur gründen und habe über dieses Coaching auch Eileen kennengelernt. Die Agentur habe ich letztlich nicht gegründet, aber ich habe dadurch das Fördersystem erstmals aus der Perspektive eines Teilnehmers erlebt. Später habe ich bei einem Bildungsträger gearbeitet und Menschen zu Fördermöglichkeiten und auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit beraten. Dabei habe ich gemerkt, dass mir diese Arbeit sehr viel Freude macht.
Gleichzeitig haben Eileen und ich erlebt, wo es in Unternehmen häufig Probleme gibt: bei Prozessen, Verantwortlichkeiten oder der praktischen Umsetzung. Wir haben uns deshalb irgendwann gefragt, was wir anders machen würden und was Gründerinnen und Gründer neben der klassischen Theorie tatsächlich brauchen. 2023 ist daraus Firmenkompass entstanden. Wir wollten bestehende Ansätze weiterentwickeln und stärker mit der praktischen Umsetzung verbinden.
Welche Herausforderungen gab es auf dem Weg – und wie habt ihr die Finanzierung gelöst?
Wir haben Firmenkompass zunächst sehr schlank aufgebaut und vieles selbst gemacht. Gerade in der Anfangsphase mussten wir uns in viele Themen gleichzeitig einarbeiten. Dabei haben wir schnell gelernt, dass nicht alles so funktioniert, wie es vorher auf dem Papier geplant war. Mit dem Wachstum kamen weitere Herausforderungen hinzu. Als Bildungsträger ist man auch von politischen Rahmenbedingungen, öffentlichen Haushalten und Förderentscheidungen abhängig. Veränderungen in diesem Bereich können sich deshalb relativ schnell auf das Geschäft auswirken. In einer späteren Wachstumsphase haben wir zusätzlich mit einer klassischen Bankfinanzierung gearbeitet. Gleichzeitig haben wir unsere Kosten und Prozesse immer wieder hinterfragt. Kapital kann Zeit und Handlungsspielraum schaffen – ein funktionierendes Geschäftsmodell ersetzt es aber nicht.
Wer ist eure Zielgruppe?
Wir begleiten vor allem Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit oder einer beruflichen Neuorientierung heraus selbstständig machen möchten. Das können Handwerker, Dienstleister oder Kreative sein, aber genauso Menschen mit langjähriger Fach- oder Führungserfahrung. Für uns ist weniger entscheidend, aus welcher Branche jemand kommt. Viel wichtiger ist die Frage, ob aus einer Idee ein wirtschaftlich realistisches Geschäftsmodell entstehen kann. Dabei spielt natürlich auch die bisherige Berufserfahrung eine Rolle. Fachlich gut in einem Beruf zu sein und daraus ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen, sind zwei unterschiedliche Dinge.
Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Wir versuchen bereits bei der Erstberatung möglichst umfassend zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um die klassischen Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Je nach individueller Situation schauen wir auch auf weitere Finanzierungsmöglichkeiten, beispielsweise geförderte Darlehen oder andere passende Förderprogramme. Wichtig ist uns, dass jemand nicht einfach mit einer Liste von Fördermöglichkeiten nach Hause geht, sondern versteht, welche Schritte für die eigene Situation sinnvoll sind. Wo es möglich und sinnvoll ist, unterstützen wir auch bei der Vorbereitung entsprechender Anträge. Der zweite Punkt ist die Auswahl unserer Coaches. Wir setzen bewusst auf Unternehmensberater und Coaches mit umfangreicher praktischer Erfahrung aus der Wirtschaft. Dazu gehören beispielsweise Unternehmensführung, Finanzierung, Beratung, Marketing und Vertrieb, aber auch Themen wie KI und Automatisierung.
Wir wollen, dass unsere Teilnehmer von Menschen begleitet werden, die nicht nur über diese Themen sprechen, sondern sie aus der Praxis kennen. Ein weiterer Unterschied ist für uns die Verbindung von Beratung und Umsetzung. Ein Gründungscoaching sollte aus unserer Sicht nicht zwangsläufig beim Business- und Finanzplan enden. Je nach Geschäftsidee können beispielsweise eine Website, ein Onlineshop, E-Commerce, digitales Marketing, KI oder Automatisierung wichtige nächste Schritte sein. Dabei muss nicht jeder Coach alles können. Entscheidend ist vielmehr, dass unterschiedliche Kompetenzen sinnvoll zusammengebracht werden können – etwa Finanzplanung, Vertrieb, Marketing oder technische Umsetzung. Für mich ist eine abgeschlossene Maßnahme allein deshalb noch kein Erfolg. Entscheidend ist, ob der Gründer danach tatsächlich besser aufgestellt ist, um mit seinem Geschäftsmodell am Markt zu bestehen.
Was würdest du rückblickend anders machen?
Ich würde mich früher und konsequenter auf das Kerngeschäft konzentrieren. Als Unternehmer entstehen ständig neue Ideen. Das Problem ist, dass man irgendwann zu viele Dinge gleichzeitig verfolgt und dabei den Fokus verliert. Heute würde ich stärker in Etappen denken: Erst muss das Kerngeschäft funktionieren, Kunden müssen gewonnen werden und die wichtigsten Prozesse müssen laufen. Danach kann das nächste Projekt kommen.
Auch bei der Planung würde ich von Anfang an konservativer kalkulieren. Auf dem Papier kann ein Geschäftsmodell sehr überzeugend aussehen. In der Realität dauert vieles länger, kostet mehr oder entwickelt sich anders als erwartet. Wenn ich konservativ plane und es anschließend besser läuft, ist das für mich das deutlich angenehmere Szenario. Und natürlich muss man als Unternehmer lernen, Verantwortung abzugeben. Firmenkompass funktioniert auch deshalb gut, weil Eileen und ich unterschiedliche Bereiche verantworten und nicht versuchen, alles gleichzeitig selbst zu machen.
Welchen Tipp gibst du anderen Gründerinnen und Gründern?
Nicht zu lange am perfekten Businessplan arbeiten, ohne mit dem Markt zu sprechen. Irgendwann muss man rausgehen und herausfinden, ob Menschen das eigene Angebot tatsächlich brauchen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Wir hatten beispielsweise Teilnehmer aus dem Garten- und Landschaftsbau, die zunächst mit einem Kleingewerbe und einem einfachen Flyer gestartet sind und damit bereits erste Aufträge gewinnen konnten. Dafür braucht es am Anfang nicht zwingend eine perfekte Website oder einen perfekten Unternehmensauftritt.
Viel wichtiger ist, mit Menschen zu sprechen, auf potenzielle Kunden zuzugehen und herauszufinden, ob das eigene Angebot einen echten Mehrwert bietet. Eine Geschäftsidee kann auf dem Papier hervorragend aussehen und trotzdem am Markt nicht funktionieren. Deshalb sollte man möglichst früh testen und sich bei den eigenen Zahlen nichts schönrechnen. Motivation schlägt für mich an vielen Stellen das Lehrbuch – aber Motivation ohne Markt, Kunden und vernünftige Zahlen reicht eben auch nicht.
Wenn nicht im eigenen Unternehmen: Wo würdest du sonst gern arbeiten?
Eine klassische Konzernkarriere wäre wahrscheinlich nichts mehr für mich. Ich mag es, Dinge aufzubauen, Entscheidungen zu treffen und selbst mit anzupacken. Gerade in Wachstumsphasen gibt es natürlich Situationen, in denen man sehr viel arbeitet und Verantwortung übernimmt. Deshalb würde mich wahrscheinlich ein Unternehmen reizen, das sich noch im Aufbau oder in einer starken Wachstumsphase befindet und bei dem man tatsächlich etwas gestalten kann. Inhaltlich würde mich vermutlich wieder etwas an der Schnittstelle zwischen Bildung, Arbeitsmarkt, Vertrieb und Technologie interessieren. Wahrscheinlich würde es aber nicht besonders lange dauern, bis ich wieder irgendeine eigene Geschäftsidee hätte.
Über die Firmenkompass GmbH
Die 2023 gegründete Firmenkompass GmbH mit Sitz in Frankfurt am Main ist ein AZAV-zertifizierter Bildungsträger mit Schwerpunkt auf Gründungscoaching, Jobcoaching und beruflicher Integration. Das Unternehmen begleitet Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit oder zurück in den Arbeitsmarkt.

