Plan A

Plan A: Automatisierte Carbon Footprint-Berichterstattung

Wer bist du und was ist deine Rolle bei Plan A?

Ich bin Lubomila Jordanova, Gründerin und CEO von Plan A.

Beschreib doch die Geschäftsidee hinter Plan A in wenigen Sätzen. Welches Problem löst ihr?

Plan A entwickelt Softwarelösungen für Unternehmen, um diese bei der CO2-Bilanzierung, Dekarbonisierung und ESG-Berichterstattung zu unterstützen. Hierfür trägt unsere SaaS-Plattform alle erforderlichen Unternehmensdaten zusammen und erstellt ein individuelles Emissionsprofil. Unsere Kunden können so im nächsten Schritt Paris-konforme Netto-Null-Ziele festlegen und diese mithilfe von über 1.000 Dekarbonisierungslösungen, Best Practices sowie einem Netzwerk aus Dienstleistern und Nachhaltigkeitsexperten erreichen.

Wie kam es zu der Idee, die hinter Plan A steckt?

Ein Surftrip nach Marokko weckte in mir den Drang, mehr über den Klimawandel zu erfahren. Denn bereits am ersten Tag wurde ich mit Stränden konfrontiert, die mit Plastik und anderem Müll übersät waren. Die ganze Reise öffnete mir die Augen für die Missachtung der Menschen gegenüber ihrem eigenen Ökosystem. Nach meiner Rückkehr befasste ich mich mit den wissenschaftlichen Hintergründen des Klimawandels und den Auswirkungen des Menschen auf unseren Planeten – ein „Hobby”, das sich zu einer einjährigen Untersuchung entwickelte. In Anbetracht der gewonnenen Erkenntnisse fühlte ich mich nicht wohl dabei, an etwas anderem zu arbeiten, als Unternehmen bei der Verbesserung ihres Impacts zu unterstützen. Und so wurde Plan A geboren.

Was waren bisher eure größten Herausforderungen und wie finanziert ihr euch?

Wir haben Plan A 2017 gegründet, zu einer Zeit, als das Thema Nachhaltigkeit in der öffentlichen Diskussion noch eine untergeordnete Rolle spielte. Damals waren nachhaltiges Wirtschaften, Dekarbonisierung und nicht-finanzielle Berichterstattung für Unternehmen noch Nice-to-haves. In diesem Umfeld ein Softwareunternehmen, das eben diese Bereiche adressiert, aufzubauen und die Finanzierung zu sichern, war eine echte Herausforderung. Dennoch haben wir es geschafft, mit HV Capital, Keen Venture Partners, Demeter, coparion und Softbank starke Investoren für Plan A zu gewinnen.

Wen wollt ihr mit Plan A erreichen?

Plan A hat bisher Hunderte von Unternehmen, Organisationen und Projekte auf der ganzen Welt bei ihren Nachhaltigkeitszielen unterstützt. Unsere Kunden kommen aus mehr als 20 Branchen, darunter Finanzinstitute, Versicherungen, VCs sowie Automobil-, Mode- und Technologieunternehmen. Wir zählen unter anderem N26, BNP Paribas, Ganni, Sorare, BMW, Trivago und Société Générale zu unseren Kunden. Zudem setzen wir auf starke Partnerschaften wie mit Visa, um die nachhaltige Transformation von Unternehmen auf globaler Ebene entscheidend voranzutreiben. Unsere Vision ist es, mithilfe unserer Sustainability Platform jährlich 1 Gigatonne CO2e zu messen und zu reduzieren.

Welches Alleinstellungsmerkmal habt ihr – wie hebt ihr euch von der Konkurrenz ab?

Unser Alleinstellungsmerkmal basiert im Wesentlichen auf drei Säulen.

Die Erste ist unsere leistungsstarke Sustainability Platform selbst. Sie ermöglicht es Unternehmen unterschiedlicher Branchen, Größen und Standorte, ihre gesamte Nachhaltigkeitsreise hin zu Netto-Null in einem zentralen Hub selbst zu verwalten.

Was uns ebenfalls maßgeblich vom Wettbewerb abhebt, ist unser strenger wissenschaftlicher Ansatz. Ein Viertel unseres Teams besteht aus Wissenschaftler:innen, Forscher:innen und Expert:innen in den Bereichen CO2-Bilanzierung, Dekarbonisierung, Nachhaltigkeit und Lebenszyklusanalyse. Zusammen mit unserem kürzlich ernannten wissenschaftlichen Beirat können wir so sicherstellen, dass alle in unsere SaaS-Plattform eingebetteten Berechnungen und Dekarbonisierungslösungen international anerkannten wissenschaftlichen Methoden und Standards entsprechen. Dass unsere Methodik, den sogenannten Corporate Carbon Footprint (CCF) zu berechnen, wissenschaftlich fundiert ist, hat der TÜV Rheinland zertifiziert.

Zu guter Letzt zeichnet uns unser Dekarbonisierungsfokus aus. Für uns ist es kein erstrebenswertes Ziel, „klimaneutral“ zu werden, da es hierfür schon ausreicht, CO2-Emissionen einfach durch Offsetting auszugleichen. Um wirklich einen Impact zu haben und dem Klimawandel entgegenzuwirken, müssen Unternehmen in erster Linie ihre Emissionen reduzieren. Hierauf fokussiert sich unsere SaaS-Plattform. Nur für unvermeidbare Emissionen bieten wir Kompensationen an. Hierfür arbeiten wir mit zertifizierten Projektentwicklern zusammen und erheben keine Gebühren. Heißt, dass 100 Prozent des Geldes, das unsere Kunden in diese Projekte geben, auch in diese fließen.

Mit der Erfahrung eurer Gründung: Welchen Tipp gibst du GründerInnen mit auf den Weg?

Während meiner gesamten Reise hatte ich das Glück, Mentoren zu haben, die trotz ihres vollen Terminkalenders Zeit fanden, mich in schwierigen und ungewohnten Momenten zu begleiten. Mein erster Ratschlag ist also, Menschen zu treffen, ein starkes Netzwerk aufzubauen und so viel Wissen und Erfahrungen wie möglich von anderen aufzunehmen. Mein zweiter Ratschlag ist, sich im Vorfeld in verschiedenen Umgebungen auszuprobieren, sei es in Unternehmen, Start-ups, NROs oder Stiftungen. Jeder dieser Bereiche bietet unschätzbare Lektionen darüber, wie unsere Wirtschaft funktioniert, und hilft, sich im Stakeholder-Management zurechtzufinden.


Wo würdest du arbeiten, wenn es dich nicht in die Startup-Welt verschlagen hätte?

Nun, als Kind wollte ich immer Anwältin werden, um andere bei der Lösung ihrer Probleme unterstützen zu können. Ich erinnere mich, wie ich im Haus meiner Großeltern das dickste Buch nahm, das ich finden konnte, es wahllos aufschlug und so tat, als würde ich „das Gesetz” rezitieren. Ich denke, Plan A spiegelt diesen Ehrgeiz wider, Unternehmen bei der Bewältigung ihrer Herausforderungen im Hinblick auf eine nachhaltige Transformation zu unterstützen.

Abseits meiner Kindheitsträume war ich vor Plan A im Investmentbanking und Risikokapital sowie in der Fintech-Branche in Asien und Europa tätig. Das wäre ich ohne Plan A vermutlich noch immer.

Vielen Dank für das Interview!

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