PetPlanner: Wie ein Mainzer Startup Tierdienstleistungen digitalisieren will

PetPlanner will die bislang oft kleinteilige Organisation rund um Tierdienstleistungen digitalisieren. Das 2025 in Mainz gegründete Startup verbindet einen Marktplatz für Tierbesitzer mit einer Verwaltungssoftware für Dienstleister. Im Interview spricht Gründerin Vivien Dierichsweiler über die Entstehung der Idee, schwierige Kundengewinnung in einer wenig digitalisierten Branche und darüber, warum persönliche Kontakte für das Startup wichtiger sind als Social-Media-Werbung.

Was macht PetPlanner, in zwei, drei Sätzen für jemanden erklärt, der die Branche nicht kennt?

PetPlanner ist eine digitale Buchungsplattform für Tierdienstleistungen. Tierbesitzern dient PetPlanner als Marktplatz, um passende Experten zu finden und online zu buchen. Für Dienstleister ist die Plattform gleichzeitig ein Verwaltungstool, mit dem sie von der Kundenakquise über die Terminplanung bis hin zu Zahlung und Abrechnung ihre Prozesse an einem Ort abwickeln können.

Wie kam es zur Gründung? Gab es einen konkreten Moment oder ein Problem, das dich nicht losgelassen hat?

Mit 18 Jahren habe ich mich als Pferdetrainerin selbstständig gemacht und schnell gemerkt, dass ich viel Zeit mit Organisation und Verwaltung verbringe, statt im Stall bei meinen Pferden zu sein. Gleichzeitig war es schwierig, passende Anbieter wie beispielsweise Hufbearbeiter zu finden und überhaupt an Termine zu kommen. Auf der anderen Seite war ich als Dienstleisterin selbst oft bis spät in die Nacht mit Terminorganisation und Abrechnung beschäftigt.

Wer sind eure Kundinnen und Kunden, und wie sah deren Alltag aus, bevor sie PetPlanner genutzt haben?

Wir haben zwei Zielgruppen: Tierbesitzer und Tierdienstleister.

Tierbesitzer stehen häufig vor der Herausforderung, passende Anbieter zu finden und anschließend einen Termin zu bekommen. Nur ein kleiner Teil der Tierdienstleister verfügt über einen gut auffindbaren und hilfreichen Internetauftritt. Die Suche verteilt sich deshalb oft auf unterschiedliche Verzeichnisse, Social Media und das eigene Netzwerk. Bei der Terminbuchung folgt dann nicht selten Telefon-Ping-Pong oder Kommunikation über verschiedene Messenger.

Dienstleister wiederum verwalten ihr Geschäft häufig über mehrere Kanäle und mit vielen manuellen Zwischenschritten. Sichtbarkeit ist dann nicht unbedingt eine Frage der Qualität der eigenen Arbeit, sondern auch der SEO- und Social-Media-Kompetenz. Termine werden einzeln abgestimmt, Zahlungen beim Termin in bar oder nachträglich per Rechnung abgewickelt. Wenn ein Kunde nicht zahlt oder nicht erscheint, bleibt der Anbieter auf der Forderung sitzen.

Auch die Rechnungsstellung erfolgt teilweise noch händisch über Wordvorlagen oder separate Rechnungsprogramme. Insgesamt ist der Arbeitsalltag dadurch von vielen zeitaufwendigen und zerstückelten Verwaltungsaufgaben geprägt.

Die Heimtierbranche ist groß, aber kleinteilig. Wie erreicht ihr eure Zielgruppe, und was hat im Vertrieb nicht funktioniert?

Die Heimtierbranche lebt stark vom Zwischenmenschlichen. Vertrauen ist natürlich in jeder Branche wichtig, aber hier stehen persönlicher Kontakt und vertrauensvolle Fürsprecher besonders im Vordergrund.

Deshalb setzen wir stark auf Messen und Live-Veranstaltungen, bei denen wir unsere Kunden persönlich sprechen können. Gleichzeitig bauen wir auf ein großes Netzwerk, das für uns wirbt. Affiliate-Partner und unser Nutzer-werben-Nutzer-Programm machen ebenfalls einen wichtigen Teil unserer Akquise aus. Auch Kooperationen wie die mit dem Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V. sind für uns sehr wichtig.

Weniger erfolgreich waren hingegen Onlinewerbung und Social-Media-Ads. Dort ist die Werbeflut groß und gleichzeitig fehlen der persönliche Ansatz und das Vertrauen. Auch Werbung in Printmedien hat bei uns wenig Ergebnisse gebracht.

Ihr habt gerade den Verein für Deutsche Schäferhunde als Kooperationspartner gewonnen. Wie kam der Kontakt zustande, und was hat den Verein überzeugt?

Der Kontakt entstand auf einer Messe. Dort hatten wir die Gelegenheit, mit der Hauptgeschäftsführerin des Vereins zu sprechen und später auch weiteren Vorstandsvertreterinnen unsere Plattform vorzustellen.

Die Verbindung aus Marktplatz und Business-Management-Software sowie die Möglichkeit, Vereinsmitglieder auf einer Plattform miteinander zu verbinden, kamen offenbar gut an. Dass wir den Mitgliedern des SV konkrete Vorteile bieten können, war schließlich ein entscheidendes Argument für die Kooperation.

Was bedeutet die Kooperation konkret für euer Wachstum in den nächsten zwölf Monaten?

Die Kooperation ist für uns als junges Startup aus zwei Gründen relevant. Zum einen erhalten wir Zugang zu den rund 50.000 Vereinsmitgliedern des SV. Zum anderen steht mit dem Verein eine etablierte Marke hinter unserem Unternehmen.

Das schafft Vertrauen und erleichtert uns auch den Kontakt zu weiteren potenziellen Kooperationspartnern. Die Entscheidung des Vereins für Deutsche Schäferhunde für PetPlanner ist für uns deshalb auch ein wichtiges Signal nach außen.

Wie habt ihr PetPlanner bisher finanziert, und warum habt ihr euch für diesen Weg entschieden?

PetPlanner wird aus Mitteln der drei Gründer und Gesellschafter finanziert und ist vollständig bootstrapped. Lediglich für Messeteilnahmen haben wir eine BAFA-Förderung erhalten.

Wir setzen bewusst auf einen gezielten Kapitaleinsatz und schnelle Lernzyklen. Wenn wir feststellen, dass eine Maßnahme nicht funktioniert, wollen wir nicht unnötig weiter Geld verbrennen.

Uns waren außerdem Unabhängigkeit und die Freiheit wichtig, Entscheidungen flexibel treffen zu können. Ein externer Investor bringt natürlich durch zusätzliches Kapital mehr Schlagkraft, gleichzeitig sitzt damit aber auch ein weiterer Entscheider mit am Tisch.

Was war die größte Fehlentscheidung oder der teuerste Lernmoment seit der Gründung?

Die größte Fehlentscheidung war wahrscheinlich eher eine Fehleinschätzung: Ich habe unterschätzt, wie schnell Prozesse für Nutzer zu komplex werden können.

Wir haben die gesamte Plattform durch eine professionelle UX-Agentur gestalten lassen, um sicherzustellen, dass die Nutzung intuitiv ist. Gerade beim Anbieter-Onboarding haben wir im Nachgang jedoch einiges selbst gestaltet und dabei offensichtlich zu komplex gedacht.

Deshalb befinden wir uns gerade mitten in einem großen Umbau des Onboarding-Prozesses für Dienstleister. Sowohl optisch als auch prozessual gestalten wir ihn noch einmal radikal um und wollen damit die Einstiegshürde für Anbieter deutlich senken.

Wie ist es, ein Tech-Startup in Mainz statt in Berlin oder München aufzubauen?

Im Alltag hat der Standort keinen besonders großen Einfluss auf unsere Arbeit. Wir sind bundesweit auf Veranstaltungen unterwegs und auch unser Netzwerk und unsere Kunden sind über ganz Deutschland verteilt.

In Mainz zu gründen ist trotzdem schön, weil die Verbindung zur Region sehr groß ist. Gerade über Lokalmedien erleben wir viel positives Feedback und eine gewisse Heimatverbundenheit.

Kritisch muss ich allerdings anmerken, dass wir in Mainz und Rheinland-Pfalz nicht gerade mit Möglichkeiten überschüttet werden. Gerade bei Startup-Förderung und Netzwerken sind die Angebote andernorts deutlich umfangreicher.

Welchen Rat gibst du Gründerinnen und Gründern, die in einer Nischenbranche mit wenig digitalisierten Kunden starten wollen?

Die Ironie bei dieser Zielgruppe ist: Digitale Produkte bekommt man am besten persönlich an die Kunden.

Wenn ich eine Software an Menschen verkaufen möchte, die selbst wenig digital arbeiten, helfen mir eine teure Meta-Kampagne oder endlose Onlinewerbung oft nicht weiter. Die menschliche Ebene, enger Kontakt und Fürsprecher, die bereits im Netzwerk der Zielgruppe verankert sind, können dagegen einen enormen Unterschied machen.

Darüber hinaus gilt für unsere Zielgruppe das Gleiche wie überall sonst: ausprobieren und aus den Ergebnissen lernen.

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