Pressemitteilung als Startup veröffentlichen: Warum neun von zehn Meldungen bei uns im Papierkorb landen

Jeden Werktag erreichen uns zwischen zehn und fünfzehn Pressemitteilungen. Von Gründerinnen, von Agenturen, manchmal direkt aus dem Founder-Postfach um 23:40 Uhr. Wir lesen die meisten davon. Und wir veröffentlichen fast keine davon.

Das ist keine Arroganz, sondern Mathematik: Ein Magazin mit einer kleinen Redaktion kann ein Dutzend Meldungen am Tag nicht redaktionell bearbeiten. Also wählen wir aus. Und nach ein paar Jahren Auswahl lässt sich ziemlich genau sagen, woran die meisten Meldungen scheitern – und was mit ihnen stattdessen passieren sollte.

Die drei Gründe, warum deine Meldung nicht erscheint

1. Es gibt keine Nachricht. „Startup XY launcht neue Version seiner Plattform“ ist keine Nachricht, wenn niemand außerhalb des Unternehmens die alte Version kannte. Eine Nachricht braucht etwas, das gestern nicht wahr war und heute wahr ist – und das für Leser außerhalb deiner Firma eine Rolle spielt. Eine Finanzierungsrunde, eine Zahl, die eine Branche überrascht, ein Produkt, das ein bekanntes Problem anders löst.

2. Es gibt keine Zahlen. „Deutlich schneller“, „zahlreiche Kunden“, „führend in seinem Segment“. Wir können nichts davon prüfen, also können wir es nicht drucken. Eine Meldung mit drei konkreten, belegbaren Zahlen schlägt jede Meldung mit zehn Adjektiven.

3. Sie ist für uns geschrieben, aber nicht für unsere Leser. Viele Meldungen erklären auf 4.000 Zeichen, was das Unternehmen tut, und in einem Halbsatz, warum das jemanden interessieren sollte. Unsere Leser sind Gründer, Investoren und Leute, die gerade überlegen zu gründen. Wenn die Meldung denen nichts gibt, gibt sie uns auch nichts.

Wer diese drei Punkte besteht, hat gute Chancen bei uns. Wer sie nicht besteht, bekommt in der Regel eine kurze Absage – und in letzter Zeit zunehmend einen Hinweis, der mit diesem Artikel zu tun hat.

Was sich verändert hat: Die dritte Leserin ist eine Maschine

Bis vor kurzem hatte eine Pressemitteilung zwei Adressaten: Journalisten, die daraus einen Artikel machen könnten, und Google, das die Meldung indexiert. Beide gibt es noch. Aber dazu ist eine dritte gekommen.

Wenn heute ein Investor, ein potenzieller Kunde oder auch ein Journalist wissen will, was dein Startup macht, fragt er zunehmend nicht Google, sondern ChatGPT, Perplexity oder Gemini. Diese Systeme lesen öffentlich zugängliche Texte, zerlegen sie in Abschnitte und setzen daraus eine Antwort zusammen. Was sie dabei finden, prägt, was über dein Unternehmen gesagt wird – ohne dass du es merkst.

Das verändert, was eine gute Pressemitteilung ist. Ein KI-System liest nicht von oben nach unten und lässt sich nicht von einem starken ersten Absatz überzeugen. Es sucht Abschnitte, die zur Frage passen, und übernimmt, was dort steht. Drei Konsequenzen:

  • Jeder Absatz muss für sich verständlich sein. „Das Unternehmen“ in Absatz vier ist für eine Maschine nicht zuzuordnen, wenn der Name nur in Absatz eins steht.
  • Zahlen brauchen Bezug und Quelle. „40 Prozent Wachstum“ ist wertlos. „40 Prozent mehr zahlende Kunden im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Unternehmensangabe)“ ist eine Aussage, die ein System übernehmen kann – und die ein Journalist prüfen kann.
  • Superlative sind ein Risiko. Ein KI-System, das „Marktführer“ liest und in einer anderen Quelle das Gegenteil findet, stuft die ganze Meldung als unzuverlässig ein. Belegen oder weglassen.

Wo eine Meldung hingehört, wenn kein Magazin sie nimmt

Die ehrliche Antwort: Erst einmal auf deine eigene Website. Owned-Content – dein Newsroom, dein Blog – wird von KI-Systemen deutlich häufiger als Quelle genutzt als Kopien auf fremden Portalen. Wer keine Presse-Seite auf der eigenen Domain hat, sollte damit anfangen, bevor er irgendwo anders veröffentlicht.

Danach kommen Presseportale. Und hier ist eine Zahl, die du kennen solltest: Unser Agenturteil PRonline Media hat gerade eine seit Jahren kursierende Liste von 121 kostenlosen Presseportalen überprüft. 51 davon sind tot, umgeleitet oder gar keine Presseportale. Von den verbliebenen 70 sind viele nur Ausgänge desselben Verteilers – dieselbe Meldung, dieselbe Reihenfolge, dreißigmal. Die geprüfte Liste mit 30 Portalen steht online. Drei bis fünf davon reichen. Mehr bringt Kopien, keine Reichweite.

In eigener Sache: Leitquelle

An dieser Stelle gehört ein Hinweis in eigener Sache, weil Transparenz hier nicht optional ist: Der Verlag hinter startupmag hat vor einigen Wochen ein eigenes Presseportal gestartet, Leitquelle. Der Grund ist exakt das Problem aus diesem Artikel. Wir hatten keine gute Antwort auf die Frage, was mit den vielen ordentlichen Meldungen passieren soll, die fürs Magazin nicht reichen, aber trotzdem gefunden werden sollten – auch von KI-Assistenten.

Leitquelle veröffentlicht Meldungen nicht als Kopie, sondern als sogenannte Referenzversion: mit einer Faktenbox, die die harten Angaben isoliert, einem Fragenblock mit in sich geschlossenen Antworten, einer Zitierfassung mit Quellenzeile und strukturierten Daten im Quelltext. Das Portal ist kuratiert – es nimmt nicht alles an, und das ist Absicht. Eine Meldung kostet regulär 89 €; in der laufenden Beta werden 20 Veröffentlichungen kostenlos vergeben, gegen ehrliches Feedback.

Was Leitquelle nicht verspricht, und was auch niemand sonst versprechen kann: dass ChatGPT deine Meldung zitiert. Das entscheidet das jeweilige System. Was sich beeinflussen lässt, ist, ob die Meldung auffindbar, eindeutig interpretierbar und überprüfbar ist. Genau darauf ist das Portal gebaut.

Wenn du in Zukunft von uns eine Absage bekommst, steht dieser Link vermutlich darunter. Nicht als Trostpreis, sondern weil es in vielen Fällen der bessere Ort für die Meldung ist.

Checkliste, bevor du die nächste Meldung verschickst

  • Steht in den ersten drei Sätzen, wer was wann wo tut – ohne Teaser, als Aussage?
  • Gibt es mindestens drei konkrete Zahlen, jede mit Bezug und Quelle?
  • Ist jeder Absatz ohne den vorherigen verständlich? Steht der Firmenname mehr als einmal drin?
  • Sind alle Zitate als Zitate erkennbar, mit Name und Funktion?
  • Ist die Meldung zuerst auf deiner eigenen Website erschienen?
  • Ist bei jedem Bild angegeben, ob es ein Foto, ein Rendering oder KI-generiert ist? (Seit August 2026 nach Art. 50 der EU-KI-Verordnung relevant.)
  • Weißt du, warum ein Gründer, der dich nicht kennt, diese Meldung lesen sollte?

Wer alle sieben Fragen mit Ja beantwortet, darf sie uns gern schicken. Ehrlich.


Transparenzhinweis: Leitquelle und PRonline gehören zum selben Verlag wie startupmag (PRonline Media UG, Berlin). Dieser Artikel ist redaktionell und wurde nicht bezahlt.

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