Exein wird zum Unicorn: 270 Millionen US-Dollar für Cybersecurity in Robotern, Drohnen und autonomen Fahrzeugen

Das Cybersecurity-Unternehmen Exein mit Hauptsitz in Rom und deutscher Niederlassung in Karlsruhe sammelt 270 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar ein. Mit an Bord sind die Deutsche Telekom und der Wachstumsfonds Deutschland. Auf Nachfrage von startupmag.de nennt Exein erste Pläne für Deutschland, darunter einen zusätzlichen Standort in München.

Exein hat eine neue Finanzierungsrunde über 270 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen wird dabei mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet und ist damit nach eigenen Angaben das zweitwertvollste Cybersecurity-Start-up Europas. Innerhalb von zwei Jahren ist die Bewertung laut Exein um das 30-Fache gestiegen.

Angeführt wird die Runde von Headline. Neu dabei sind Sofina, Goldman Sachs, die European Investment Bank Group über die European Tech Champions Initiative (ETCI), der Wachstumsfonds Deutschland, beraten durch KfW Capital, sowie T.Capital, der strategische Investmentarm der Deutschen Telekom. Die bestehenden Investoren Balderton, HV, Intrepid Growth Partners, 33N Ventures, Lakestar, Supernova Invest, Blue Cloud Ventures und Geodesic Capital haben erneut investiert. Laut Exein war die Runde deutlich überzeichnet. Parallel wird die bestehende revolvierende Kreditlinie unter Führung von J.P. Morgan aufgestockt, die KfW kommt als weiterer Kreditgeber hinzu.

Sicherheit für Maschinen, die selbst handeln

Exein schützt intelligente Maschinen, von Robotern und Drohnen bis zu autonomen Fahrzeugen. Die Technologie läuft nach Unternehmensangaben bereits auf mehr als zwei Milliarden vernetzten Geräten, etwa in der Industrieautomatisierung, der Automobilindustrie, der Energiewirtschaft, im Gesundheitswesen und in der Robotik.

Anfang des Jahres stellte Exein mit Photon eine präventive Runtime-Sicherheitsarchitektur vor. Sie arbeitet auf Kernel-Ebene und soll schädlichen Code blockieren, bevor ein Angriff ausgeführt wird. Zudem entwickelt Exein seit zwei Jahren ein eigenes Foundation Model für die Sicherheit von Physical AI. Trainiert wird es mit Telemetriedaten von Maschinen aus der eigenen Gerätebasis, also mit Daten darüber, wie Maschinen tatsächlich arbeiten, statt mit von Menschen erzeugten Inhalten. Auf dieser Grundlage sollen autonome Sicherheitsagenten entstehen, die Systeme ohne menschliches Eingreifen analysieren und absichern. Die agentische Sicherheitsarchitektur will Exein bis Ende 2026 vorstellen, die Foundation Models werden für das erste Quartal 2027 erwartet.

Den Handlungsdruck begründet das Unternehmen mit der Bedrohungslage: Exein registriert eigenen Angaben zufolge jede Woche rund 5.000 neue, nicht wiederkehrende Angriffe in seinem Netzwerk, fünfmal so viele wie vor einem Jahr. „Frontier Models reduzieren das Zeitfenster für Patches auf null“, sagt Gründer und CEO Gianni Cuozzo. „Wir entwickeln Sicherheit in Maschinengeschwindigkeit für Angriffe in Maschinengeschwindigkeit.“

Umsatz vervierfacht, Hälfte davon in Asien

Der Annual Recurring Revenue (ARR) lag im ersten Halbjahr 2026 viermal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Exein im asiatisch-pazifischen Raum, weitere Märkte sind Europa und die USA. Seit der vorherigen Finanzierungsrunde im Dezember 2025 hat das Unternehmen seinen APAC-Hauptsitz in Taiwan eröffnet.

Mit dem frischen Kapital will Exein vor allem in den USA und im asiatisch-pazifischen Raum wachsen. In den kommenden zwei Jahren sollen in den USA Team, Kundenstamm und Partnerschaften ausgebaut werden, geplant ist auch ein Büro in der San Francisco Bay Area.

Die internationale Ausrichtung sei von Beginn an angelegt gewesen, erklärt das Unternehmen auf Nachfrage von startupmag.de: Global zu denken sei Teil der DNA. Europa sei die Heimat und das historische Fundament, die allerersten Verträge habe Exein aber in Asien unterzeichnet.

Was die Runde für Deutschland bedeutet

Das Team in Deutschland umfasst derzeit fünf Personen und soll weiter wachsen, teilt Exein auf Nachfrage mit. Außerdem plant das Unternehmen, einen weiteren Standort in München zu eröffnen.

Auch die deutschen Geldgeber spielen eine Rolle über das Kapital hinaus. Die KfW ist nicht nur über den Wachstumsfonds Deutschland am Eigenkapital beteiligt, sondern auch an der Aufstockung der Kreditlinie unter Führung von J.P. Morgan. Diese Kreditlinie soll laut Exein unter anderem für Übernahmen genutzt werden. Europa und insbesondere Deutschland seien wichtige Zielmärkte für mögliche Zukäufe.

Die Deutsche Telekom wird über ihre IoT-Einheit zudem ein konkreter kommerzieller Partner. Weitere Informationen dazu will Exein in Kürze veröffentlichen. Christian Schwalbe, CEO von Deutsche Telekom IoT, begründet das Investment mit der wachsenden Bedeutung von Geräte- und Firmware-Sicherheit: Exein könne helfen, die Sicherheit der vernetzten Geräte zu stärken, auf die Telekom-Kunden angewiesen sind.

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