Camping-Car Park: Sie zogen ein Jahr ins Wohnmobil, um den Markt zu verstehen – mit Erfolg

Zwei französische Tourismusexperten setzten sich 2010 selbst ans Steuer eines Reisemobils, um zu verstehen, was Camper wirklich wollen. Aus dieser Feldforschung entstand Camping-Car Park – heute über 700 Stellplätze, mehr als eine Million Nutzer und gerade in der FT 1000 als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas ausgezeichnet. Jetzt nimmt das Netzwerk den deutschen Markt ins Visier.

Die meisten Gründungsgeschichten beginnen am Schreibtisch. Diese begann auf der Straße.

Corinne Bruel und Laurent Morice hatten in den französischen Regionen Okzitanien und Pays de la Loire bereits Campingplätze mit aufgebaut. Doch je länger sie im Geschäft waren, desto deutlicher spürten sie eine Verschiebung: Das klassische Campingangebot verlor für moderne Reisemobilisten an Relevanz. Statt diese Vermutung mit Marktstudien zu untermauern, taten die beiden etwas Ungewöhnliches – sie stiegen selbst ein.

Ein Jahr lang reisten Bruel und Morice mit dem Wohnmobil durch Frankreich. Kein Beobachten aus der Distanz, sondern Feldforschung aus dem Fahrerhaus. Sie analysierten das Verhalten und die Wünsche der Reisenden direkt vor Ort – und kamen mit einer klaren Datengrundlage zurück:

  • 63 % der Wohnmobilisten bevorzugen ausgestattete Stellplätze, auch wenn diese kostenpflichtig sind.
  • 20 % stehen lieber an unbeaufsichtigten, freien Plätzen.
  • 17 % nutzen klassische Campingplätze.

Die Botschaft dieser Verteilung war eindeutig: Die größte Gruppe will Komfort und Ausstattung – und ist bereit, dafür zu zahlen. Doch genau dieses Angebot fehlte in der Fläche.

Vom Reiseerlebnis zum Netzwerk

2011 gründeten die beiden auf Basis ihrer Erkenntnisse ein ganzjährig zugängliches Stellplatznetzwerk. Der Blick ging dabei von Anfang an über Frankreich hinaus: Rund 2,8 Millionen Wohnmobile waren damals europaweit registriert – ein Markt, der nach standardisierter, verlässlicher Infrastruktur verlangte.

Die Idee hinter Camping-Car Park war weniger der einzelne Stellplatz als das System dahinter: eine automatisierte, nutzerfreundliche Infrastruktur, die regionale Besonderheiten in den Mittelpunkt stellt und Reiseziele besser zugänglich macht. Reisende lösen einmalig einen digitalen Zugangspass für fünf Euro und erhalten damit lebenslangen Zugang zum gesamten Netzwerk – inklusive 24/7-Zugang, Echtzeit-Verfügbarkeit und Vorab-Reservierung über App und Website.

Aus dieser Mechanik ist über die Jahre ein Netzwerk von über 700 vollständig ausgestatteten Stellplätzen in sechs Ländern geworden – Frankreich, Spanien, Portugal, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Mehr als eine Million Kunden nutzen den Dienst. 200 weitere Standorte sind für 2026 in Planung. Die Auszeichnung in der FT 1000 als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas ist die jüngste Bestätigung, dass das Modell trägt.

Das Geschäftsmodell: Wertschöpfung statt Verwaltungsaufwand

Bemerkenswert an Camping-Car Park ist weniger die Hardware als das Geschäftsmodell gegenüber den Kommunen. Während Städte und Gemeinden bei eigenen Stellplätzen üblicherweise in Vorleistung gehen und Verwaltungsaufwand schultern müssen, dreht das Unternehmen die Logik um.

Das Modell ist partnerschaftlich aufgebaut: Camping-Car Park integriert umweltfreundliche Entsorgungsmöglichkeiten, beteiligt die Kommunen fair an den Umsätzen und bindet die Reisenden aktiv in die regionale Wertschöpfung ein. Wer mit dem Wohnmobil anreist, besucht den Ort, kehrt in Restaurants und Cafés ein und belebt das urbane Leben – ohne dass die Kommune dafür große Investitionen tätigen muss.

Standardisierte Analysen zu Besucherzahlen, Verweildauer und Zufriedenheit fließen zurück in die Optimierung der Standorte. Für die Gemeinden bedeutet das: touristische Frequenz ohne Betriebslast. Es ist dieser doppelte Nutzen – Freiheit für Reisende, Entlastung für Kommunen – der das Konzept in Frankreich groß gemacht hat.

Der deutsche Markt als nächste Etappe

Dass Camping-Car Park nun nach Deutschland kommt, ist kein Zufall, sondern Reaktion auf einen Boom. Rund eine Million Wohnmobile sind hierzulande zugelassen – ein Plus von 8,1 % gegenüber dem Vorjahr. Allein 2024 wurden 19 Millionen Übernachtungen auf Stellplätzen gezählt, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von drei bis vier Prozent.

Inzwischen kam mit Saarbrücken auch die erste Großstadt ins Netzwerk, nachdem bereits in Gemeinden und Regionen wie Bühl, Singen, Furth im Wald und Auerbach Plätze angeschlossen wurden. Bis Ende 2027 will das Unternehmen 150 Stellplätze in Deutschland realisieren; 75 davon sind bereits konkret in Planung.

Maxime Lauden, Geschäftsleiter der CCP GmbH, verantwortet die Anpassung des Konzepts an deutsche Bedürfnisse – ein Punkt, der über Erfolg oder Misserfolg entscheiden dürfte. Denn was in Frankreich funktioniert, muss sich im deutschen Verwaltungs- und Tourismusgefüge erst beweisen.

Die französische Erfahrung stimmt das Unternehmen zuversichtlich. Oder, wie es intern heißt: Wo Camping-Car Park ist, folgt der Tourismus. Ob sich dieser Satz auch auf deutschem Boden bewahrheitet, werden die nächsten beiden Jahre zeigen.

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