175 Millionen Dollar für Reverion: Bayerisches Energy-Startup baut neue Fabrik

Das bayerische Energy-Tech-Unternehmen Reverion hat eine Series-B-Finanzierung über 175 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Mit dem Kapital will das 2022 gegründete Unternehmen seine Produktion deutlich ausbauen und einen neuen Fertigungsstandort in Deutschland errichten.

Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom europäischen Deeptech- und Klimafonds Kembara. Neu beteiligt sind außerdem Allianz, KfW Capital über ein von UVC verwaltetes SPV, Aurum Impact und Carbon Equity. Auch bestehende Investoren wie Energy Impact Partners, UVC Partners und der European Innovation Council sind erneut dabei.

Reverion entwickelt reversible Brennstoffzellenkraftwerke für die dezentrale Stromversorgung. Die Anlagen können unter anderem Biogas, Erdgas oder Wasserstoff in Strom umwandeln. Nach Angaben des Unternehmens erreichen sie dabei im laufenden Kundenbetrieb einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent.

Eine Besonderheit der Technologie ist der reversible Betrieb. Bei einem Überschuss an Strom können die Anlagen auch als Elektrolyseure eingesetzt werden und Strom wieder in speicherbare Gase umwandeln. Beim Einsatz von Biogas kann nach Unternehmensangaben zudem eine negative CO2-Bilanz erreicht werden.

Neue Fabrik mit 250 Megawatt Kapazität

Mit der aktuellen Finanzierung will Reverion vor allem seine Produktionskapazitäten ausbauen. Geplant ist ein neuer Standort in Deutschland mit einer Fertigungskapazität von 250 Megawatt pro Jahr.

Bis zu 800 zusätzliche Arbeitsplätze könnten dort entstehen. Am bisherigen Unternehmenssitz in Eresing bei München beschäftigt Reverion nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200 Mitarbeitende.

Sieben Kraftwerke befinden sich bereits bei Kunden im Regelbetrieb. Die Leistung der einzelnen Anlagen liegt aktuell bei bis zu 500 Kilowatt. Künftig will das Unternehmen auch Projekte im Multi-Megawatt-Bereich bedienen.

Rechenzentren werden zum neuen Wachstumsmarkt

Neben klassischen Biogasanlagen rücken für Reverion zunehmend Rechenzentren als potenzielle Kunden in den Fokus. Der steigende Strombedarf durch Cloud-Infrastruktur und KI-Anwendungen trifft vielerorts auf begrenzte Netzkapazitäten und lange Wartezeiten für neue Netzanschlüsse.

Reverion setzt deshalb auf eine dezentrale Stromerzeugung direkt am Standort des Rechenzentrums. Die Brennstoffzellenkraftwerke können kontinuierlich Strom erzeugen und dabei bestehende Gasinfrastruktur nutzen.

Nach Angaben des Unternehmens verschiebt sich die Nachfrage bereits in diese Richtung. Während Reverion zunächst vor allem den landwirtschaftlichen Biogassektor adressierte, kommen inzwischen zunehmend Anfragen aus der Technologie- und Energiebranche.

Mit der neuen Finanzierungsrunde soll nun der Schritt von der bisherigen Kleinserie hin zur industriellen Produktion gelingen. Das Unternehmen beziffert das mögliche Umsatzvolumen seiner aktuellen Projektpipeline auf mehr als zwei Milliarden US-Dollar.

Zeen Social Icons