Unchained Robotics automatisiert letzte manuelle Arbeitsschritte in Druckereien

Unchained Robotics aus Paderborn erschließt eine neue Branche. Das Start-up hat gemeinsam mit der Horizon GmbH aus Quickborn, nach eigener Darstellung internationaler Marktführer für Druckweiterverarbeitung, eine Palettierlösung entwickelt. Nach einem Pilotbetrieb und mehreren Entwicklungsstufen geht sie jetzt in Serie und ist ab sofort über Horizon erhältlich.

Der letzte Handgriff soll wegfallen

Am Ende der Druckweiterverarbeitung wird vielerorts noch von Hand gestapelt. Genau hier setzt die neue Lösung an: Sie nimmt Druckprodukte nach dem Falzen, Heften, Klebebinden oder Verpacken ab und setzt sie auf die Palette. Technische Basis ist der modulare Roboterbaukasten MalocherBot von Unchained Robotics, konkret das Modell MalocherBot PAL S mit dem kollaborativen Roboter UR20 und der herstellerunabhängigen Software LUNA. Der Greifer wurde beide Unternehmen gemeinsam auf die Anforderungen von Druckereien abgestimmt. Marktreif geprüft wurde das System mit einer Buchbinderei und einer Bogenoffsetdruckerei.

Mobil und ohne Programmierung umrüstbar

Die Module stehen auf Rollen und werden mit Schnellspannern verbunden. Ein eigenes Zuführband erlaubt den Einsatz hinter unterschiedlichen Maschinen, etwa Falzmaschine, Sammelhefter oder Klebebinder, und zwar auch von anderen Herstellern als Horizon. Bei einem Produktwechsel legen Bediener Lagenmuster und Greifparameter im LUNA-Assistenten an, ganz ohne Programmierung. Greifer und Ausheberechen werden von Hand über Skalen und Schnellspanner eingestellt.

Auch der Palettenwechsel soll die Produktion nicht stoppen: Der Roboter schaltet in den kollaborativen Modus und palettiert mit reduzierter Geschwindigkeit weiter, die Linie muss nicht anhalten.

Warum die Branche Automatisierung braucht

Die deutsche Druckindustrie besteht laut Bundesverband Druck und Medien aus rund 6.000 überwiegend mittelständischen Betrieben mit etwa 95.000 Beschäftigten. Rund 83 Prozent der Betriebe haben weniger als 20 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Hohe Kosten, belastete Lieferketten und der Fachkräftemangel setzen sie unter Druck. Das manuelle Abstapeln bindet Zeit und Personal und ist körperlich anstrengend. Druckbetriebe können laut den Partnern die letzten Prozente an Produktivität heben, ohne zusätzliches Personal zu binden.

Co-Creation als Modell für Start-ups

Interessant ist die Konstellation: Für Horizon ist es die erste in Deutschland entwickelte Automatisierungslösung dieser Art, und sie entstand nicht im eigenen Haus, sondern mit einem Robotik-Partner. Horizon steuerte jahrzehntelanges Prozesswissen bei, Unchained Robotics Roboterzelle, Software und Umsetzungskompetenz.

Für das Start-up ist der Schritt zugleich Einstieg in die Druckindustrie und Blaupause für weitere Branchen. Das Prinzip: Baukasten und Software bilden die technische Basis, das Wissen eines Branchenpartners macht daraus eine passgenaue Anwendung.

„Unser Anspruch ist es, nicht nur einzelne Maschinen zu automatisieren, sondern den gesamten Produktionsprozess unserer Kunden effizienter und durchgängiger zu gestalten“, sagt Ambjörn Breuer, Director Sales & Marketing bei Horizon. Ihm sei wichtig gewesen, keine Insellösung zu bauen, sondern eine, die sich flexibel in bestehende Linien integrieren lässt.

Mladen Milicevic, Co-Gründer und CEO von Unchained Robotics, sieht in der Druckindustrie einen der letzten unautomatisierten Arbeitsschritte, der auf einen Partner warte, der ihn ernst nimmt. Entscheidend sei, ob Automatisierung im Mittelstand ankomme oder eine Demo-Show bleibe.

Verfügbarkeit

Druckereien und Buchbindereien können sich ab sofort zur Integration in ihre bestehenden Linien beraten lassen und die Lösung bestellen. Weitere Informationen gibt es bei Horizon unter horizon.de.

Das Start-up: Unchained Robotics

Unchained Robotics wurde 2019 von Kevin Freise und Mladen Milicevic in Paderborn gegründet. Das Unternehmen vereinfacht Automatisierung mit drei Säulen: einem Marktplatz für Automatisierungstechnik, der herstellerunabhängigen Software LUNA und dem Roboterbaukasten MalocherBot. Das Angebot reicht von einzelnen Komponenten bis zu kompletten Lösungen, die bereits weltweit im Einsatz sind. Nach eigenen Angaben liegen die Umsätze im zweistelligen Millionenbereich. Im Sifted-Ranking der am schnellsten wachsenden Start-ups Deutschlands 2024 („Sifted 50: Germany“) belegte das Unternehmen Platz 28.

Bilder:

  1. Titel: Mladen Milicevic, Co-Gründer und CEO von Unchained Robotics | © Unchained Robotics
  2. Ambjörn Breuer, Director Sales & Marketing bei Horizon | © Horizon

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