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fonio.ai Gründer Daniel Keinrath: „100.000 Euro ARR an einem Tag sind mittlerweile keine Ausnahme mehr“

Das Wiener Start up fonio.ai hat eine Seed Runde über 14,6 Millionen Euro abgeschlossen und wird nach eigenen Angaben mit 120 Millionen Euro bewertet. Im Interview spricht Mitgründer Daniel Keinrath über das rasante Wachstum, technische Fortschritte bei KI Telefonassistenten und die Expansion in mehrere internationale Märkte.

fonio.ai gehört zu den derzeit auffälligsten europäischen Start ups im Bereich der automatisierten Kundenkommunikation. Das Wiener Unternehmen entwickelt KI Agenten, die Anrufe entgegennehmen, Termine vereinbaren und Standardfragen beantworten können. Inzwischen ist der Dienst auch über WhatsApp verfügbar. E Mail und Chat sollen folgen.

Nun hat fonio.ai eine Seed Runde über 14,6 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird sie von der globalen Risikokapitalgesellschaft 20VC. Beteiligt sind zudem bestehende Investoren sowie Gründer und Führungskräfte von Synthesia, HubSpot und Revolut. Nach Angaben des Unternehmens zählt die Runde zum oberen Prozent der europäischen Seed Finanzierungen der vergangenen zwei Jahre. fonio.ai wird demnach mit 120 Millionen Euro bewertet.

Das Unternehmen wurde im Herbst 2024 von Daniel Keinrath und Matthias Gruber gegründet. Keinrath hatte zuvor das Unternehmen Getnano aufgebaut und 2024 verkauft. fonio.ai startete zunächst eigenfinanziert und nahm im Dezember 2025 eine Angel Finanzierung über drei Millionen Euro auf. Insgesamt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 20 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Das neue Geld soll vor allem in die internationale Expansion fließen. Bis zum Jahresende plant fonio.ai Büros in New York, München, Mailand, Paris, London und Warschau. Derzeit ist das Unternehmen bereits in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien, Polen und Brasilien aktiv und zuletzt auch in Großbritannien und den USA gestartet.

Nach eigenen Angaben betreut fonio.ai mehr als 7.000 Kunden und automatisiert rund zwei Millionen Anrufe pro Monat. Rund 90 Prozent der Anfragen sollen vollständig ohne menschlichen Eingriff bearbeitet werden. Im Interview erklärt Daniel Keinrath, welche Prozesse sich besonders gut automatisieren lassen, warum der richtige Kontext für KI Systeme entscheidend ist und weshalb er derzeit kaum mehr als ein Jahr im Voraus planen möchte.

„100.000 Euro ARR an einem Tag sind mittlerweile keine Ausnahme mehr“

Daniel, Ihr sprecht davon, innerhalb eines Tages über 100.000 Euro ARR hinzugewonnen zu haben. Was genau ist in diesem Zeitraum passiert und welche Faktoren treiben euer Wachstum aktuell besonders?

100.000 Euro ARR an einem Tag sind für uns mittlerweile keine Ausnahme mehr, sondern Ausdruck eines konstanten Wachstums, das mit der Zeit immer größer wurde. Vor ein paar Wochen waren es noch 70.000 Euro am Tag, jetzt überschreiten wir regelmäßig die Grenze von 100.000 Euro.

Das hat zwei Hauptgründe: Erstens ein großer Produktdurchbruch. Wir sind eines der ersten Unternehmen weltweit, die Turn Detection gelöst haben. Das macht unsere KI zu einer der natürlichsten der Welt im Moment. Zweitens greift unsere Internationalisierung jetzt richtig. Frankreich und Italien laufen bereits sehr gut und das spiegelt sich in den Zahlen.

fonio.ai ist in weniger als zwei Jahren auf mehrere Tausend Kunden gewachsen. Welche Branchen oder Anwendungsfälle entwickeln sich derzeit besonders dynamisch?

Unsere Kunden sind quer durch alle Branchen verteilt. Der gemeinsame Nenner ist, dass sie viele Anrufe bekommen. Den größten Einzelanteil hat aktuell der Immobilienbereich mit rund 15 Prozent, aber das ist kein dominanter Schwerpunkt. Die häufigsten Anwendungsfälle sind Terminvereinbarungen, das Beantworten von Standardfragen und Rufweiterleitungen, also klassische Sekretariatsaufgaben, die sich besonders gut automatisieren lassen.

„Man muss sich die KI wie einen neuen Mitarbeiter vorstellen“

Laut euren Angaben werden inzwischen rund 90 Prozent der Kundenanfragen vollständig automatisiert bearbeitet. Für welche Arten von Anfragen funktioniert das heute bereits zuverlässig und wo stößt KI noch an Grenzen?

Die Grenzen liegen heute meistens nicht mehr auf technischer Ebene, sondern auf der Kundenseite. Viele Unternehmen haben ihre Prozesse noch nicht vollständig digitalisiert und geben der KI zu wenige Informationen, damit sie richtig antworten kann. Man muss sich das vorstellen wie einen neuen Mitarbeiter, den man erst einarbeiten muss. Wer der KI von Anfang an den richtigen Kontext mitgibt, bekommt auch die besten Ergebnisse.

Viele Unternehmen testen derzeit KI Lösungen für den Kundenservice. Was machen KMU aus eurer Sicht dabei häufig noch falsch?

Der häufigste Fehler ist eigentlich, dass die Informationen falsch eingepflegt werden. Viele denken außerdem, sie müssten mit KI die Welt neu erfinden. Dabei geht es im Grunde nur darum, bestehende Prozesse zu replizieren.

Ihr entwickelt euch vom KI Telefonassistenten hin zu einer Omnichannel Plattform für Kundenkommunikation. Warum reicht ein einzelnes KI Tool aus eurer Sicht künftig nicht mehr aus?

Weil unsere Kunden sich das wünschen. Für viele ist der KI Telefonassistent ein Einstieg: Es ist das erste Mal, dass sie KI wirklich im eigenen Betrieb erleben. Und wenn sie merken, wie einfach das ist, kommen die Folgefragen fast automatisch: Könnt ihr nicht auch WhatsApp anbieten? Und Chatbots? Daraus ist unsere Omnichannel Plattform entstanden.

Mit der Finanzierungsrunde wollt ihr unter anderem in mehrere internationale Märkte expandieren. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt?

Es gab drei zentrale technische Herausforderungen im Bereich KI Telefonie: die Stimme, die Latenz und die Turn Detection, also das Erkennen, wann der Gesprächspartner fertig gesprochen hat oder nur eine Denkpause einlegt. Alle drei haben wir gelöst, die letzte vor drei Wochen. Jetzt sind wir bereit, wirklich zu skalieren und das spiegelt sich auch in unseren Zahlen wider. In Märkten wie Frankreich und Italien sind wir bereits sehr präsent und es läuft gut.

Ihr plant neue Standorte unter anderem in New York, London und Paris. Welche Unterschiede seht ihr bislang zwischen dem europäischen und dem US amerikanischen Markt?

Das Grundproblem ist überall dasselbe: verpasste Anrufe, fehlende Erreichbarkeit. Der größte Unterschied, den wir bislang sehen: In den USA muss man in der Werbung mutiger und lauter auftreten.

„Wir nehmen trotzdem nur 0,3 Prozent der Bewerber an“

Das Team ist laut euren Angaben innerhalb weniger Monate stark gewachsen. Wie gelingt es, bei diesem Tempo Unternehmenskultur und Produktqualität stabil zu halten?

Produktqualität und Unternehmenskultur hängen für uns direkt zusammen und beides lösen wir über einen Ansatz: Wir holen nur Top Leute rein. Wir bekommen mittlerweile täglich 300 Bewerbungen, haben 35 offene Stellen und nehmen trotzdem nur 0,3 Prozent der Bewerber an. Weil wir dort keine Kompromisse machen, können wir auch die Qualität konstant hochhalten.

Mehr als die Hälfte eures Teams sollen ehemalige Gründerinnen und Gründer sein. Warum ist dieser unternehmerische Hintergrund für euch wichtig?

Weil wir so schnell agieren müssen und vieles, was wir gerade tun, zum ersten Mal machen. Es gibt dafür kein Playbook, deshalb braucht es unternehmerisches Denken. Bei uns kennt jeder alle KPIs und verantwortet seinen Bereich wie ein eigener Unternehmer. Diese Ownership ist für uns entscheidend.

Wo soll fonio.ai in drei Jahren stehen, technologisch und als Unternehmen?

Ehrlich gesagt trauen wir uns kaum, mehr als ein Jahr im Voraus zu planen, so schnell entwickelt sich alles. Das Ziel für nächstes Jahr ist klar: über 100 Millionen ARR. Und wenn ich drei Jahre nennen müsste: Weltmarktführer in unserem Bereich. Wir bauen eine AI Communication Suite für KMU, die Kundenkommunikation ganzheitlich abbildet.

Im Interview: Daniel Keinrath, einer der Gründer von fonio.ai

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